Der vaterlose Mann – Videovortrag von Prof. Dr. Matthias Franz

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an der Universität Düsseldorf – SWR Teleakademie

Prof. Dr. Matthias Franz beschreibt hier in seinem Vortrag, wie sich der zweite Weltkrieg auf unsere Gesellschaft und auf die Stellung der Mutter ausgewirkt hat und welche Auswirkungen noch heute es speziell auf die Söhne hat.

Hochgeladen am 07.10.2011

Dass die Beziehung zum Vater wichtig für die kindliche Entwicklung ist, kann heute niemand mehr in Frage stellen. Sie stärkt das Selbstverständnis und die Beziehungsfähigkeit. Jungen brauchen den Vater für den Aufbau einer männlichen Identität und sind von einem Verlust des Vaters besonders stark betroffen.

Die 1975 begonnene Mannheimer Kohortenstudie untersuchte die Kriegskinder der Geburtsjahrgänge 1935 und 1945 über einen langen Zeitraum hinweg. Dabei zeigten sich bis heute bestehende gravierende Langzeitfolgen der kriegsbedingten Vaterlosigkeit. Vor dem Hintergrund dieser Studie und aktueller entwicklungspsychologischer Konzepte analysiert Matthias Franz die Situation der heutigen Vaterlosigkeit vieler Jungen mit immer mehr Scheidungen und Trennungen unverheirateter Paare. Wie kann der erhöhten psychosozialen Belastung der Betroffenen entgegengewirkt werden?

Comments

Eine Antwort zu Der vaterlose Mann

Quelle: http://kuckucksvater.wordpress.com/2011/11/01/der-vaterlose-mann-videovo...
Immo Lünzer schreibt:
3. November 2011 um 16:50

Prof. Dr. med. Matthias Franz ist stellv. Direktor/Leiter des Psychophysiologischen Labors (Uniklinikum Düsseldorf), Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie.

Da dieser Vortrag „der vaterlose Mann“ etwas länger ist folgt hier eine Zusammenfassung (plus Ergänzungen aus dem Internet.) In dem Video wird die Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung aufgezeigt. 
Nach Franz lassen sich aus entwicklungspsychologischer Sicht vier Entwicklungsschritte beschreiben, bei denen die emotionale Präsenz eines fürsorglichen und empathischen Vaters für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung ist: Hierzu gehört z.B. die Förderung der Entwicklung der Geschlechtsidentität. Gerade für Jungen im Alter zwischen 3 und 6 Jahren bietet sich durch einen präsenten und emotional verfügbaren Vater eine wichtige männliche und prägende Identifikationsfigur.
Vielen Jungen mangelt es heute an einem solchen Identifikationsmodell z.B. als Auswirkung von trennungsbedingter Vaterlosigkeit. Die Filmbranche hat dieses Identifikationsdefizit aufgegriffen und präsentiert, mit Filmen wie ,Terminator‘, ,Starwars‘ oder ,Matrix‘ vaterlose Söhne auf der Suche nach omnipotenten und makrophallischen Ersatzvätern. Die Macher dieser Spiele- und Illusionsindustrie beuten die Nöte vieler vaterloser Jungen schamlos aus. Die kleinen, aber im Grunde verunsicherten und ängstlichen ,Schulhof-Machos‘ haben dann nur noch mordende und gewalttätige Medienmonster zum Vorbild und lernen gar nicht mehr von echten Männern, wie sie besser mit Konflikten und ihrer Aggressivität umgehen können. Und wenn sie sich im Kindergarten oder auf dem Schulhof mal balgen, brausen – zugespitzt – gleich die Erzieherinnen heran und wollen ihnen diese körperliche Erprobung wegerziehen. Sie spüren die heimliche Angst der Jungen, zu Mädchen erzogen zu werden.

Nicht zuletzt auch durch die Erforschung der kriegsbedingten Folgen von Vaterlosigkeit konnten zudem wichtige Erkenntnisse für die Bewertung der Vaterrolle und den Folgen von Vaterlosigkeit gefunden werden.
Ein emotional präsenter und verfügbarer Vater wirkt sich aus entwicklungspsychologischer Sicht durchweg positiv auf die kindliche Entwicklung aus.
Vor dem Hintergrund aktueller entwicklungspsychologischer / psychoanalytischer Konzepte zur Bedeutung des Vaters, werden Ursachen und Folgen der heutigen, trennungsbedingten Vaterlosigkeit mit der Düsseldorfer ,Alleinerziehendenstudie‘ dargestellt. Auch hier zeigt sich, wie in anderen epidemiologischen Studien, eine erhöhte psychosoziale Belastung alleinerziehender Mütter und besonders der betroffenen Jungen – aufgrund vorliegender Verlaufsstudien mit erheblichen psychosozialen Langzeitfolgen, insbes. Depression. Und es zeigte sich auch eine erhöhte Rate bei den Ladendiedstählen, die allerdings bei Kindern aus Patchworkfamilien noch höher waren.
Abschließend stellt er sein bindungsorientiertes präventives Elterntraining für alleinerziehende Mütter mit Kindern (im Vor- und Grundschulalter) vor, welches eine deutliche Besserung der maternalen Depression und auch kindlicher Verhaltensauffälligkeiten bewirkt.
http://www.palme-elterntraining.de

Außerdem kommt die Förderung der Beziehung von Vätern und Kindern eine besondere Bedeutung zu. Väter müssen ermutigt werden ihre Verantwortung (mehr) wahrzunehmen – gleichzeitig ist es aber auch wichtig Hürden in den Blick zu nehmen, die eine aktive Vaterschaft verhindern. Hier sind auch alle Väter aufgerufen, aktiver zu werden.