LEXIKON

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Gewalt

Gewalt ist - von der Intention her betrachtet - ein Konfliktlösungsversuch der sich inadäquater Mittel bedient. Diese Sicht der Gewalt ist deshalb hilfreich, weil sie voraussetzt, dass es eine Auswahl von richtigen und falschen Lösungsansätzen gibt und es auch die Möglichkeit gibt, richtige Arten der Konfliktlösung zu erlernen.

eine Grundlage zur weiteren Formulierung
Quelle: http://www.friedensbuero-graz.at/cms/fileadmin/user_upload/Schule/Materi..., Seite 3, 2.Spalte, 3.Absatz

Gewalt, seelische Gewalt & Misshandlung

Definition und Epidemiologie

Unter den Begriff „seelische Misshandlung“ sind Haltungen, Äußerungen und Handlungen von Bezugspersonen zu fassen, welche das Kind bzw. den Jugendlichen überfordern und ihm das Gefühl von Ablehnung und eigener Wertlosigkeit vermitteln, die das Kind in zynischer oder auch sadistischer Weise herabsetzen oder das Kind bedrohen und terrorisieren (vergleiche Engfer 1986, siehe auch Ziffer 1.1.).

Schwerwiegende Ablehnung,
mit Angst terrorisieren, isolieren

Wesentliche Aspekte seelischer Misshandlung sind (Garbarino und Vondra 1986):

  • Ablehnung: ständige Kritik am Kind, Herabsetzung, zum Sündenbock machen, ein Geschwisterkind ostentativ vorziehen.
  • Terrorisieren: das Kind mit Drohungen ängstigen und einschüchtern.
  • Isolieren: Das Kind von Außenkontakten abschneiden, das Gefühl von Einsamkeit und Verlassenheit vermitteln, einsperren.

Herabsetzen des Selbstwerts

In der US-amerikanischen Literatur wird von „emotionalem Missbrauch“ gesprochen, was damit auch weniger extreme Formen der seelischen Misshandlung umfasst. In Deutschland ist der Begriff „seelische Grausamkeit“ mit einer Vorstellung von sadistischem Elternverhalten verbunden. Aber jedes Verhalten von Bindungspersonen, das den Selbstwert eines Kindes oder Jugendlichen herabsetzt, ist als seelische Misshandlung anzusehen

Formen seelischer Misshandlung

Spricht man von „seelischer Misshandlung“, so geht man zumeist davon aus, dass die Eltern oder Stiefeltern des betroffenen Kindes die Täter sind. Kinder und Jugendliche können aber auch von anderen Erwachsenen, insbesondere pädagogischen Bezugspersonen oder von Gleichaltrigen seelisch misshandelt werden.

Quelle: Ärztliche Diagnose und Befunde - Formen von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Seelische Gewalt

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Gewalt gegen Kinder und Jugendliche - Ärzteleitfaden Bayern - Seelische Gewalt.pdf60.89 KB

Gutachten - forensisch-psychologisches Gutachten

Was ist ein wissenschaftliches forensisch-psychopathologisches Gutachten?

Wissenschaftliches Arbeiten in der forensischen Psychologie, Psychopathologie und Psychiatrie

Quelle: Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
Was ist ein wissenschaftliches forensisch-psychopathologisches Gutachten?
Wissenschaftliches Arbeiten in der forensischen Psychologie, Psychopathologie und Psychiatrie

Gutachten - Fragenkatalog zur kritischen Auseinandersetzung

1.) Wurden in diesen Gutachten die Mindeststandards für die Erstellung eines psychologischen Gutachtens eingehalten?
Der Prozess Begutachtung umfasst die lnformationsgewinnung durch den Sachverständigen, seine „Datenerhebungen (z.B. Aktenstudium, psychodiagnostische Gespräche, Verhaltensbeobachtungen, Tests und testähnliche Verfahren). In einem schriftlichen Sachverständigengutachten kann die Ergebnisqualität nur im Zusammenhang mit der Prozessqualität beurteilt werden. Das hat zur Folge, dass in einem schriftlichen Gutachten nicht nur ein Ergebnis mitgeteilt werden darf, sondern dass der Prozess der Begutachtung transparent gemacht werden muss: Die zu untersuchenden Problemstellungen, die zu ihrer Bearbeitung angewandten methodischen Schritte und die aus den Erhebungen abgeleiteten gutachterlichen Schlussfolgerungen müssen in einem schriftlichen Gutachten erkennbar werden, d. h. transparent dargestellt werden.

Das Transparenzgebot für Gutachten stellt einen international gültigen Standard dar, es beinhaltet eine unverzichtbare Qualitätsanforderung an Sachverständigengutachten.

2.) Erfolgte die Befundung vollständig und entsprechend den Richtlinien des psychologischen Berufsverbandes?
Richtlinie für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit auf Grundlage eines Gutachtens des Psychologenbeirates vom 23.02.2012

3.) Können aufgrund der Befundung die im Gutachten gezogenen Schlussfolgerungen schlüssig abgeleitet werden?

4.) War die Vielzahl der durchgeführten Untersuchungen und psychologischen Tests in den vom Sachverständigen in seinen Gebührennoten ausgewiesenen zeitlichen Vorgaben möglich, nachvollziehbar und auch sachlich erforderlich?

5.) Gibt es Hinweise, dass Testergebnisse manipuliert wurden?

6.) Wurden in den Gutachten Textbausteine verwendet, die dem fachlichen Standard nicht entsprechen oder schlichtweg falsch sind?

7.) Wurden aus dem Akt ersichtliche Parteienangaben im Gutachten übergangen, die jedoch für die gutachterliche Schlussfolgerung von Bedeutung waren?

Gutachten - potentielle forensische Gutachtenfehler

Katalog der potentiellen forensischen Gutachtenfehler

Fehler in forensisch-psychologischen, forensisch-psychopathologischen, forensisch-psychiatrischen Gutachten.

Vorbemerkung: Das Einzelfallprinzip gebietet sicherheitshalber nur von potentiellen Fehlern zu sprechen. Der Katalog enthält also überwiegend nur potentielle Fehler. Ob ein potentieller Fehler im spezifischen Einzelfall wirklich ein Gutachten-Fehler ist, sollte nicht absolut-allgemein, sondern im Realitätsrahmen und Situationskontext des Einzelfalles untersucht und entschieden werden. Und natürlich hängt die Fehler-Diagnose und das Gewicht, das ihr zukommt, auch sehr davon ab, aus welcher wissenschaftlichen Perspektive oder Basis die Betrachtung erfolgt. PsychoanalytikerInnen haben z.B. ein sehr lockeres Verhältnis zu Phantasie und Vermutungen und verwechseln diese oft mit Wissenschaft, Empirie oder Objektivität.
Wichtig ist vielleicht auch, dass man sich eingesteht: fehlerlose Gutachten gibt es nicht. Aber: die Problemlösung beginnt bekanntlich mit der Problemwahrnehmung. Deshalb ist es sinnvoll, sich seinen möglichen Fehlern grundsätzlich zu öffnen. Manche Fehler mögen auch keine ernste Bedeutung haben, andere aber im jeweiligen Einzelfall vielleicht schon. Und es gibt fatale Fehler, die ein Gutachten nicht verwertbar machen (z.B. Oder-Diagnosen, Verfassung und Befinden zu den Tatzeiten nicht exploriert oder, bei keinem Ergebnis hierzu (non liquet), die Beweisfrage als nicht beantwortbar erklärt, nicht persönlich untersucht, unzulängliche Mittel und Methoden angewendet, ... ... ...)
Kleine Fehlertaxonomie: (1) Fatale, nicht mehr reparierbare Fehler. (2) Fatale Fehler ohne nähere Spezifikation. (3) Fatale, aber grundsätzlich noch reparierbare Fehler ("Nachbesserung", weiteres Ergänzungsgutachten). (4) Fehler ohne bedeutsame Auswirkung auf die Beantwortung der Beweisfrage. (5) Sonstiger in seiner Bedeutsamkeit nicht richtig oder zuverlässig einschätzbarer Fehler.
Sonderfall: Fehlerhaftes Gutachten, aber im Ergebnis nachvollziehbar und - wenn auch mit anderem Vorgehen - zum gleichen Ergebnis gelangend.

Quelle: SGIPT.org - Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
Potentielle Fehler in forensisch psychopathologischen Gutachten, Beschlüssen und Urteilen der Maßregeljustiz

Eine methodenkritische Untersuchung illustriert an einigen Fällen u. a. am Fall Gustl F. Mollath mit einem Katalog der potentiellen forensischen Gutachtenfehler
sowie einiger RichterInnen-Fehler.

Katalog der potentiellen forensischen Gutachtenfehler

Gutachten - Praktische Kurzversion wissenschaftlicher Gutachtenarbeit

  1. Wissenschaftliche Gutachten müssen klar und übersichtlich strukturiert sein. Sie enthalten daher als erstes ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, aus dem sich das Gutachtenkonzept, Weg und Verlauf ergibt. Sie beginnen mit der Nennung des Auftraggebers, dem Auftragsdatum und den Beweisfragen, beschreiben die Daten der Untersuchung, Dauer und Ergebnisse, zunächst beschreibend und nicht wertend. Sachverhaltsmitteilungen und ihre Bewertung sind streng voneinander zu trennen.
  2. Sodann sind die Datengrundlagen, ihre Quellen und ihre Fundorte aufzuführen. Übermäßig lange Aktenzitierungen sind zu vermeiden oder genau zu begründen (> Konrad).
  3. Zuerst stellt sich die Frage, welche Daten benötigt werden. Je nach Beweisfragen sind nach den Standarddaten spezifische Daten zu erfragen, bei Sexualstraftätern z.B. die Sexualanamnese, die bei gewöhnlichen Schuldfähigkeits- oder Prognosegutachten keine Rolle spielen, während bei Schuldfähigkeitsgutachten natürlich Befinden und Verfassung zu den Tatzeiten zwingend zu erforschen sind.
  4. Nach den Beweisfragen sind die Hypothesen zu formulieren (BGH 1999).
  5. Danach sind die Daten und ihre Quellen zunächst unverarbeitet (originale Datenbasis, "Rohdaten") zu erfassen, wie z.B. in der Aussagepsychologie ein Wortprotokoll.
  6. Bei allen Daten stellt sich zwingend die Frage: wie genau, gültig und sicher sind sie, und wie genau und zuverlässig sind die Quellen? Sämtliche Daten, die in ein Gutachten eingehen, müssen daher im Hinblick auf ihre Güte und Zuverlässigkeit kritisch erörtert und ausgewählt werden.
  7. Im forensischen Regelfall ist die Datenlage im Allgemeinen weder vollständig noch ausreichend klar oder widerspruchsfrei. Im Allgemeinen gibt es mehr oder minder viele Lücken. Lücken und Widersprüche müssen ausgewiesen und kritisch erörtert werden.
  8. Die verschiedenen Daten haben in aller Regel unterschiedliche Bedeutung in Bezug auf eine Betrachtungsbasis oder Fragestellung, die sich aus den Beweisfragen ergibt. Aus der Vielzahl der Daten werden relevante ausgewählt, was zu begründen ist, ebenso weshalb andere vernachlässigt und nicht weiter betrachtet werden sollen.
  9. Die für relevant erachteten Daten bilden den Befund, dessen Bedeutung für die Beweisfragen lückenlos abzuleiten ist. So ist z.B. bei der Frage der Schuldfähigkeit genau und lückenlos anzugeben, welche psychischen Merkmale zur Tatzeit aufgrund welcher Zeichen wie auf die Tathandlung eingewirkt haben.
  10. Ganz allgemein gilt für alle forensischen Gutachten vor Gericht, dass sie so zu verfassen und vorzutragen sind, dass sie für einen gebildeten Laien nachvollziehbar und verständlich sind.

Quelle: Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie - Was ist ein wissenschaftliches forensisch-psychopathologisches Gutachten?

Gutachten - Richtlinie für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten

des Bundesministeriums für Gesundheit auf Grundlage eines Gutachtens des Psychologenbeirates vom 23.02.2012
(Seite 7)

3 Qualitätskriterien

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Richtlinie_klinisch-psych_gesundheitspsych_befunden_ga_BMG_2012_02_23.pdf494.47 KB